Die stille Persistenz des Gender Pay Gaps

Gleichberechtigung gehört heute zum Selbstverständnis moderner Arbeitswelten – zumindest auf dem Papier. Umso bemerkenswerter ist, wie hartnäckig sich eine zentrale Form der Ungleichheit hält: die unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern.

Wie zuletzt auch die WirtschaftsWoche berichtete, liegt der Gender Pay Gap innerhalb der Europäischen Union aktuell bei durchschnittlich rund elf bis zwölf Prozent zulasten weiblicher Beschäftigter. Deutschland bewegt sich mit etwa 16 bis 18 Prozent weiterhin deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Noch höher fällt die Lohnlücke nur in wenigen EU-Staaten aus, darunter Estland, Tschechien, Österreich, Ungarn, Finnland und die Slowakei.

Dabei ist das Ziel gleicher Bezahlung keineswegs neu. Bereits 1957 wurde die Entgeltgleichheit von Frauen und Männenr im Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft verankert. Mehr als sechs Jahrzehnte später bleibt die tatsächliche Umsetzung jedoch unvollständig.

Die Ursachen für den Gender Pay Gap sind komplex und reichen weit über individuelle Karriereentscheidungen hinaus. Frauen arbeiten häufiger in schlechter vergüteten Branchen, übernehmen nach wie vor den Großteil unbezahlter Care-Arbeit und sind in Führungspositionen weiterhin unterrepräsentiert. Doch selbst bei vergleichbaren Qualifikationen und Tätigkeiten bleibt häufig eine unerklärte Lohnlücke bestehen.

Damit ist der Gender Pay Gap nicht nur eine wirtschaftliche Kennzahl. Er zeigt auch, wie Arbeit bewertet wird, welche Strukturen Organisationen prägen und wie tief gesellschaftliche Rollenbilder noch immer wirken.

Mit der neuen Entgelttransparenz-Richtlinie versucht die Europäische Union gegenzusteuern und Gehaltsstrukturen transparenter zu machen, denn Ungleichheit verschwindet selten von selbst. Sie muss zunächst sichtbar gemacht werden, bevor sie verändert werden kann.

Alle Artikel aus der Kategorie Aktualität Alle Artikel aus der Kategorie Allgemein Alle Artikel aus der Kategorie Diversity Alle Artikel aus der Kategorie female Leadership Alle Artikel aus der Kategorie Frauen in Führung