Unternehmen im demografischen Wandel: Geht uns der Unternehmer-Nachwuchs aus?

Die Babyboomer gehen in Rente, die Wirtschaft stagniert – und tausende Betriebe stehen vor der Übergabe. Doch wer übernimmt? Fehlt Deutschland der unternehmerische Nachwuchs?

Die deutsche Wirtschaft befindet sich derzeit in einer Phase des Stillstands. Bereits das vierte Jahr in Folge bleibt ein spürbarer Aufschwung aus, während gleichzeitig wichtige Rahmenbedingungen für Wachstum und Stabilität fehlen. Besonders deutlich wird dabei ein strukturelles Problem, das sich in den kommenden Jahren weiter zuspitzen dürfte: die Nachfolge im Mittelstand.

Gerade in Berlin und Brandenburg droht in wenigen Jahren ein wirtschaftlicher Einschnitt, weil es an geeigneten Nachfolgerinnen und Nachfolgern mangelt. Allein in Berlin stehen rund 300.000 Unternehmen innerhalb der nächsten fünf Jahre vor der Frage, ob und wie es weitergehen soll. Die Berliner Morgenpost titelte gestern: jedes vierte Unternehmen in Berlin will dichtmachen.

Die Suche nach einer Lösung gestaltet sich schwierig. Eine Weitergabe innerhalb der Familie ist längst nicht mehr selbstverständlich. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer ziehen stattdessen eine Übergabe an Mitarbeitende oder den Verkauf an externe Interessenten in Betracht. Die klassische Nachfolge weicht zunehmend flexibleren Modellen, doch auch diese bringen neue Herausforderungen mit sich.

Denn eine Unternehmensübergabe ist heute alles andere als ein einfacher Schritt. Bürokratische Anforderungen, steuerliche Regelungen und rechtliche Komplexität erschweren den Einstieg für junge Menschen, die ein bestehendes Unternehmen übernehmen. Selbst scheinbar praktische Aspekte wie die Übernahme einer Kundendatei können problematisch sein, da Daten nicht ohne Weiteres übertragen werden dürfen. In manchen Fällen müssen Kunden erneut kontaktiert und um Zustimmung gebeten werden, was den Prozess zusätzlich verlangsamt und kompliziert macht. Hinzu kommt, dass  sich die Motivationslage für potenzielle Übernahmen bei der jüngeren Generation verändert hat: Sicherheitsaspekte, die Sorge vor einem zu großen unternehmerischen Risiko führen zu einer eher verhaltenen Übernahmebereitschaft, was auch seit einiger Zeit von den  IHKs in Berlin und Potsdam thematisiert wird. Nachfolgezentralen sind deshalb ins Leben gerufen worden.

Die zentrale Frage lautet aber nicht nur, ob es genügend Nachfolger und Nachfolgerinnen gibt, sondern ob die Rahmenbedingungen so gestaltet sind, dass Übernahmen überhaupt attraktiv und realistisch umsetzbar sind. Wenn es nicht gelingt, den Generationswechsel aktiv zu begleiten, drohen nicht nur einzelne Betriebe zu verschwinden, sondern langfristig auch wirtschaftliche Substanz in ganzen Regionen verloren zu gehen.

Vor diesem Hintergrund freut es uns ganz besonders, dass Selaestus in diesem Jahr für den renommierten „Großen Preis des Mittelstandes“ der Stiftung nominiert wurde, der aktuell unter dem Motto „Vertrauen schafft Chancen“ steht. Diese Nominierung bestätigt unser Bestreben, nachhaltiges und zukunftsfähiges Unternehmertum mit zu gestalten, vor allem im Hinblick auf professionelle und nachhaltige Nachfolgebesetzungen und zeigt, wie wichtig Vertrauen, Engagement und innovative Lösungen gerade in herausfordernden Zeiten sind.

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